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Bio-Kunststoffe näher betrachtet

Von Maaike Rijk
05-11-2013

Bio hat Hochkonjunktur. Eine dieser Entwicklungen ist Kunststoff, der aus Zuckerrohr hergestellt wird. Was macht diesen alternativen Rohstoff erwägenswert?

Für Polyethylen (PE) gibt es viele Anwendungen. Es ist der am häufigsten verwendete Kunststoff und wird durch Polymerisation von Ethylen gewonnen. Bis vor einem Jahr wurde PE hauptsächlich aus Erdöl und Erdgas gewonnen. Da jedoch die Erdölvorräte stetig abnehmen, entstehen immer mehr alternative Quellen für die Kunststoffproduktion. Zuckerrohr ist eine davon. Braskem produziert jährlich 200.000 Tonnen Polyethylen aus Zuckerrohr und ist damit einer der größten Bio-Polymerproduzenten der Welt. Marco Jansen, kaufmännischer Direktor von Renewable Chemicals, weiß mehr über diesen relativ „jungen“ Rohstoff.

CO2-Verringerung durch Zuckerrohr
„Der zunehmende Druck zur Verringerung des CO2-Ausstoßes und die immer knapper werdenden Erdölvorräte sind die wichtigsten Beweggründe für den Umstieg auf eine biologische Alternative“, erklärt Marco. „Zucker aus Zuckerrohr besitzt einen hohen kalorischen Wert. Das macht ihn zu einem äußerst effizienten Produkt. Ein weiterer Vorteil gegenüber Erdöl ist, dass Zuckerrohr während des Wachstums Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufnimmt. Auf diese Weise wird der CO2-Gehalt in der Luft verringert. Darüber hinaus bietet das Produkt noch verschiedene Vorteile im Prozess und im Anbau.“

bio-proces

Effizienter Prozess

„Zur Gewinnung von Polyethylen aus Zuckerrohr wird die Pflanze abgehackt und gepresst. Aus dem zuckerhaltigen Saft erhält man nach Fermentation und Destillation Ethanol. Durch die anschließende Hydration des Ethanols entsteht Ethylen. Mit den Restfasern der Pflanze wird durch Verbrennen Bioenergie erzeugt. Diese Energie wird in der Fabrik genutzt; der Überschuss wird verkauft. Alles in allem beträgt der Unterschied in der CO2-Verringerung gegenüber herkömmlichen Quellen etwa 4 kg pro Kilogramm produziertem PE.“

Keine abgeholzten Regenwälder
Biobrennstoff aus Pflanzen ist häufig umstritten. Man befürchtet, dass Urwälder den Plantagen weichen müssen. Wie sieht das bei Zuckerrohr aus? „Glücklicherweise sind die Wälder in Brasilien mittlerweile gut geschützt. Das Regenwaldgebiet kommt aufgrund seiner vielen Regenfälle sowieso nicht als Anbaugebiet infrage. Zuckerrohr erfordert nämlich viel Sonne, aber wenig Wasser. Außerdem eignet sich der Boden nicht für den Anbau von Zuckerrohr. Das ideale Anbaugebiet befindet sich rund um den Bundesstaat São Paulo. Zurzeit nutzt Brasilien nur 20 % des verfügbaren Ackerlands für den Anbau von Pflanzen. Weniger als 0,02 % dieser Fläche ist für die Produktion von Biopolyethylen bestimmt. Anders als es in Europa der Fall wäre, gibt es hier keine negativen Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion. Es besteht also noch ein enormes Potenzial“, so Marco.

Mrco JansenBiobasiert bedeutet nicht gleich biologisch abbaubar
Wie lange ist ein biobasiertes Produkt aus Zuckerrohr verwendbar?  Marco: „Die Haltbarkeit dieser Produkte entspricht der von Erdölprodukten. Biobasiert bedeutet nicht automatisch biologisch abbaubar. Polyethylen aus Zuckerrohr ist wiederverwendbar, wird aber nicht schneller als Polyethylen aus Erdöl oder Erdgas abgebaut.“

Immer mehr Unternehmen erkennen die Möglichkeiten von biobasierten Produkten. Auch die Lebensmittelbranche, in der man besonders vorsichtig ist, wenn es um Migration geht, nimmt langsam den alternativen Rohstoff an. Tetra Pak® verwendete für ihre Deckel bereits 100 % biobasiertes HDPE. Vor kurzem beschloss das Unternehmen, auch für die Schutzschicht in seinen Getränkeverpackungen biobasiertes Material einzusetzen. „Was die Migration angeht, ist biobasiertes Material genauso sicher wie Material aus traditionellen Quellen“, erklärt Marco.
 



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